Saarlooswolfhond Kennel Waya Whakan

Saarloos Wolfhunde Züchter - www.waya-whakan.de

Geschichte: Saarloos Wolfhond

Der Niederländer Leendert Saarloos (1884-1969) war der Begründer der noch jungen Hunderasse Saarlooswolfhond. Er lebte in der niederländischen Stadt Dordrecht zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter Marijke. Dort begann die Geschichte des Saarlooswolfhonds im Kennel "van de Kilstroom", der am 15. September 1934 beim Raad van Beheer registriert wurde. Leendert Saarloos war von Beruf Koch und arbeitet einige Jahr als Schiffskoch, doch durch seine zunehmende Schwerhörigkeit konnte er diesen Beruf nicht mehr ausüben und er eröffnete deswegen einen Elektrofachbetrieb an seinem Wohnort. Er war schon immer ein Naturliebhaber und interessiert an der Tierzucht. Er experimentierte züchterisch mit verschiedenen Tierarten, kreuzte Wildtiere mit Haustieren, z.B. Wildkatzen mit Hauskatzen, Wildtauben und zahme Tauben, Frettchen und Iltis, Hasen mit Kaninchen, Zwergpinscher mit Füchsen und Schakale mit Hunden (und diese nannte er dann Zwergwolfhunde). Um etwas Geld dazu zu verdienen züchtete er auch Angorakaninchen (er hatte bis zu 500 Kaninchen) und verkaufte die Wolle. Er hielt sich sogar eine mit der Flasche aufgezogene Löwin namens Elsa und ein Kapuzineräffchen. Doch seine wahre Leidenschaft fand er in der Hundezucht.       

Leendert Saarloos war ein Liebhaber des Deutschen Schäferhundes, war aber auch der Meinung, daß diese Rasse ihre naturnahen Eigenschaften zu einem großen Teil verloren hat. Darum beschloß er, den Deutschen Schäferhund Gerard van Transrhenum (nicht wie man jahrelang glaubte Gerard van de Fransenum!), ein Abkömmling von Deutschen Schäferhunden, die im ersten Weltkrieg als Rettungshunde eingesetzt wurden, mit der europäischen Wölfin Fleur aus dem Tiergarten Blijdorp, welche aus dem sibirischen Zweig stammte, zu kreuzen. Beim ersten Versuch im Jahr 1936 starben alle Welpen von Fleur an Staupe. Ein Jahr darauf wurden wieder Welpen aus dieser Verpaarung geboren. Der Rüde Barrie erlag wieder der Staupe, aber die Hündinnen Fleurie und Pittha überlebten und legten so den Grundstein der Rasse. Da der dringend für die Weiterzucht benötigte Rüde aber verstorben war, wiederholte er die Verpaarung 1938 und diesmal wurde ein Rüde nebst 6 Hündinnen geboren. Den Rüden nannte er Barré.




Es folgten nun viele sehr enge Verpaarungen, wie zum Beispiel Gerard mit seiner Tochter Fleurie, woraus er einen Rüden, Largo, und eine Hündin, Kaja, behalten hat. Largo wurde mit seiner Halbschwester Dela, einer Deutschen Schäferhündin, verpaart. Durch die Verpaarungen mit Deutschen Schäferhunden wollte Saarloos so gut wie möglich die Scheuheit des Wolfes rauszüchten, gleichzeitig achtete er auch darauf, die Nervosität des Deutschen Schäferhundes wegzuzüchten. Barré (aus dem zweiten Wurf von Gerard x Fleur - siehe Bild links) wurde mit seiner Schwester Fleurie (aus dem ersten Wurf von Gerard x Fleur) verpaart, wovon er zwei von acht Welpen behalten hat. Und so folgten einige Voll- und Halbgeschwister Verpaarungen oder gar Vater/Tochter Verpaarungen, was natürlich in Verbindung mit einer strengen Selektion schnell zum gewünschten Ergebnis führte. Die Nachkommen wurden im Alter von 7 Monaten auf ihre Charaktereigenschaften getestet. Die meisten Hunde schafften diese Prüfung nicht und diese wurden eingeschläfert. Von den ersten 28 Nachkommen wurden 25 auf diese Weise eliminiert.


Durch die Kreuzung von Wolf und Hund wollte Saarloos eine robuste, gesunde und nicht degenerierte Hunderasse schaffen, die durch große Intelligenz und Aufmerksamkeit gekennzeichnet ist und sich deshalb rasch zum Gebrauchshund (Polizeihund, Rettungshund) ausbilden lässt. Sein Zuchtgrundsatz und größtes Ziel war die Zurückgewinnung der naturnahen Eigenschaften der Hunde, wobei ihn vor allem die Förderung der guten Charaktereigenschaften seiner Tiere interessierte, ihr Aussehen fand bei seiner Zucht weniger Beachtung. Hierbei arbeitete er mit Biologen wie Naaktgeboren oder Genetiker wie Haagedorn zusammen. Vom Tiergarten Blijdorp bekommt Saarloos weitere Wölfe für die Zucht.

Im Jahr 1942 machte Leendert Saarloos eine erste Anfrage beim Raad van Beheer, dem niederländischen kynologischen Dachverband, um die Anerkennung seiner Kreuzungen als Rassehund zu erhalten. Seine Anfrage wurde jedoch 1943 abgelehnt, obwohl es zuerst ganz gut aussah und einige Vereinbarungen getroffen wurden, um die ersten Schritte für die Anerkennung einzuleiten. Letztendlich wußte es aber der Verband Deutscher Schäferhunde durch seine große Lobby zu verhindern, da sie natürlich eine gewisse Konkurrenz sahen in einem „verbesserten Schäferhund“. Außerdem waren die Hunde äußerlich noch zu uneinheitlich und als zuverlässigen Gebrauchshund noch nicht einsetzbar. Es sollten noch etwa 20 Jahre vergehen bis die Anerkennung der Rasse wieder auf Agenda stand.
Im Krieg versuchten die Deutschen Allierten die Hunde von Saarloos zu konfiszieren. Ein Hauptmann ließ die Hunde antreten. Saarloos musste die Hunde auf Abstand abrufen und währenddessen schoß der Hauptmann mit seiner Dienstpistole in der Nähe der Hunde in die Luft. Da kam der Fluchttrieb des Wolfes zu Tage und führte dazu, daß die Hunde wegrannten. Der Hauptmann meinte nur „Wertlose Truppe!“. Saarloos war noch Tage beschäftigt, seine Hunde wieder einzufangen.

Entgegen seinem Zuchtziel, der Schaffung eines im Vergleich zum Schäferhund besseren Gebrauchshundes, erwies sich das Abrichten seiner Tiere also als sehr schwierig. Der Grund hierfür war, daß sich in ihrem Wesen der Fluchttrieb des Wolfes als erblich dominant gegenüber dem Angriffstrieb des Schäferhundes herausstellte. Sie konnten nur bedingt als Polizei- oder Kriegshund dienen. Durch Zufall kam er jedoch dahinter, daß die Hunde sich auch als Blindenbegleithunde eignen. In der Nachbarschaft wohnte eine blinde Frau, deren Blindenbegleithund gestorben ist und sie lange auf einen neuen Hund warten hätte müssen. Sie kennt Saarloos und seine Hunde und fragt ihn, ob man einen seiner Hunde als Blindenbegleithund abrichten könnte, so daß sie wieder das Haus verlassen kann. Durch ihre Erfahrung mit dem Umgang mit Blindenbegleithunden und dem Wissen um die Charaktereigenschaften, die so ein Hund mit sich bringen muß, wurde es zu einem unerwarteten Erfolg. So errichtete Leendert Saarloos 1944 eine  Blindenbegleithundeschule für Wolfhunde und ein Verein wurde gegründet, die „Nederlandse Vereniging voor Wolfhondbezitters en de Blindengeleideschool voor Wolfhonden“, der im November 1945 eingetragen wurde. Doch Saarloos war mit seinen Zuchtergebnissen immer noch nicht ganz zufrieden und so sagte er einmal in einem Radio Interview: „Für einen Polizeihund beißen sie zu wenig und für einen Blindenbegleithund beißen sie zu viel.“

Daraufhin selektierte Saarloos seine Tiere nochmals verstärkt nach ihren Charaktereigenschaften immer in Bezug auf ihre Eignung als Gebrauchshund (d.h. ihrer Erziehbarkeit) und tatsächlich konnten in den 1950er und Anfang der 1960er Jahre einige seiner Tiere als Rettungshunde, Polizeihunde, Einsatz bei der Bürgerwehr sowie Blindenhunde eingesetzt werden. Die Scheuheit und der Fluchttrieb des Wolfes war damals - aufgrund von Saarloos strenger Zuchtauswahl - weniger vorhanden.

Saarloos nennt nun seine Schöpfung „Europese Wolfhond“.
In den 50er Jahren ist die Blindenbegleithundeschule im vollen Betrieb und Saarloos setzt sich dafür ein, daß die Blindenbegleithunde kostenlos den Blinden zu Verfügung gestellt werden. Diese sind sehr zufrieden mit ihren Hunden, was in unzähligen Dankesbekundungen deutlich wird. Die Ausbildung eines Wolfhundes dauerte gerade mal 4 Wochen, worauf Saarloos besonders stolz war, da dies zeigte, wie intelligent seine Hunde waren. Die Vorsicht und Selbständigkeit des Wolfes kombiniert mit dem Mut des Schäferhundes brachte diese ungewöhnliche Intelligenz zum Vorschein.

Saarloos hat durch seinen Einsatz mit den Blindenbegleithunden seine zukünftige (zweite) Frau Maria Johanna Jonkergouw kennengelernt. Sie war seit ihrem 18. Lebensjahr blind wegen der erblichen Augenerkrankung Retinis Pigmentosa. Im November 1951 wird die gemeinsame Tochter Marijke geboren.

Durch die große Nachfrage – inzwischen waren 600 bis 700 Blindenbegleithunde im Einsatz - wurde immer mehr Hunde geboren. Auch hatte er immer wieder mit Gegenschlägen zu kämpfen, weil es vorkam, daß ganze Würfe starben. Die steigenden Kosten konnten sich nicht mit der kostenlosen Abgabe der Hunde an die Blinden vereinbaren.

In den 60er Jahren wurden, wie schon erwähnt, auch einige Hunde als Polizeihunde oder für die Bürgerwehr eingesetzt, was aber im Kontrast zu den geforderten Eigenschaften als Blindenhund stand. Saarloos sagte in einem Interview, daß er eigentlich zwei Linien schaffen müsste, eine für die Polizeiarbeit und die andere für die Blindenhundarbeit, aber er hätte nicht die Zeit dafür. So waren nicht alle Hunde gleichermaßen gut geeignet für die verschiedenen Aufgaben.

Wie viele Wölfinnen insgesamt von Leendert Saarloos zur Zucht eingesetzt wurden, ist nicht genau bekannt, aber man vermutet insgesamt sechs. Sicher ist, daß 1963 wieder eine Wölfin eingekreuzt wurde. In diesem Jahr ließ sich Saarloos von einer Gruppe von Liebhabern seiner Rasse dazu überreden, nochmals eine Wölfin, die er – wie alle seine Wölfinnen - ebenfalls Fleur nannte, zur Zucht zu benutzen. Obwohl er anfangs nur schwer von der erneuten Einkreuzung von Wolfsblut zu überzeugen war, da er fürchtete, daß dadurch die Nachkommen wieder schwerer erziehbar, da scheuer und damit als Gebrauchshund wieder weniger geeignet sein würden, stimmte er der Verbindung von der bereits 11jährigen Fleur (die bereits 1956 einen Wurf hatte) und seinem Wolfhond Yro van de Kilstroom schließlich doch zu. Er hoffte, durch die Einkreuzung die inzwischen auftretenden Inzuchtprobleme in den Griff zu bekommen. Yro war sein Lieblingshund und absoluter Favorit, ein Allrounder der als Polizeihund, Suchhund und Blindenhund eingesetzt wurde.

Viele der sich inzwischen um Leendert Saarloos sammelnden Rasseliebhaber stimmten dagegen vehement für die erneute Einkreuzung einer Wölfin, da sie das wölfische Aussehen der Tiere auffrischen und verstärken wollten. Sie legten im Gegensatz zu Saarloos Zuchtgrundsatz mehr Wert auf das wolfsartige Aussehen als auf den Charakter der Tiere.

Diese erneute Einkreuzung des Wildtieres brachte genau die von Leendert Saarloos befürchteten Probleme erneut in die Rasse: die Scheuheit der Tiere nahm wieder zu. Die direkten Nachkommen von Fleur und Yro waren als Gebrauchshund ungeeignet und auch als Familienhund schwer zu halten.
Eines dieser Tiere jedoch, Valpar van de Kilstroom, blieb bei Saarloos und wurde später trotzdem eingesetzt um mehr Homogenität in die Hunde zu bekommen.

Nur die Nachkommen von dieser letzten Wölfin wurden später bei der Anerkennung der Rasse im Jahr 1975 in das Zuchtbuch des Raad van Beheers aufgenommen! Somit sind viele Gene, die eigentlich vorhanden waren, nach Anerkennung der Rasse verlorengegangen.

Die Rasse verlor damit endgültig ihre Eignung als Gebrauchshund. Heute ist der Saarlooswolfhond im Rassestandard beschrieben als Familienhund, der als Gebrauchshund nicht einsetzbar ist. (Zitat Rassestandard: „Verwendung: Der Saarlooswolfhund ist nicht mit dem Ziel auf eine besondere Nutzung gezüchtet worden. Er besitzt Eigenschaften, die es ihm ermöglichen, ein treuer und zuverlässiger Gesellschafts- und Haushund zu sein.“).

Ebenfalls im Jahr 1963 stellte Leendert Saarloos beim Raad van Beheer einen zweiten Antrag auf Anerkennung seiner Tiere als Rasse. Auch diesmal wurde der Antrag abgelehnt, aber in den Archiven vom Raad van Beheer und von Saarloos findet man keine Details darüber. Für Saarloos war die Anerkennung inzwischen nicht mehr so wichtig, da alle Hunde in seinem Eigentum blieben und er somit die volle Kontrolle über deren Zuchteinsatz hatte.

Am 13. Januar 1969 starb Leendert Saarloos im Alter von 84 Jahren. Seine Tochter Marijke war 17 Jahre alt und wollte die Arbeit ihres Vaters fortsetzen, sowohl die Zucht als auch die Blindenbegleithundeschule.
Man schrieb das Jahr 1974 und die Nachfrage nach Blindenbegleithunden ließ schon seit einigen Jahren nach, da es immer mehr Verkehr gab und medizinische Fortschritte manchem Blinden das Sehvermögen wieder gab. Durch die letzte Wolfseinkreuzung wurden die Hunde auch zunehmend ungeeigneter durch den stärkeren Fluchttrieb und Scheuheit, so daß auf andere Rassen ausgewichen wurde. Somit nahmen so langsam die finanziellen Probleme überhand. Dennoch wollte Marijke das Erbe ihres Vaters fortsetzen, sie fühlte sich dessen verpflichtet, doch durch die finanziellen Engpässe mussten Zwinger abgebaut werden und die Hunde abgegeben werden. Nur ein paar wenige Hunde konnten bei einem Mitglied des Vereins der Blindenbegleithundeschule untergebracht werden, welches ein Grundstück zu Verfügung stellte um ein paar notdürftige Zwinger hinzustellen. Die Zucht ging unter dem Kennelnamen „van de Kilstroom“ weiter, wenn auch nur noch in geringem Maße. Nun entstand wieder die Idee, nochmal einen Versuch zu starten, den „Europese Wolfhond“ als Rasse anzuerkennen lassen beim Raad van Beheer. Diesmal mit Erfolg!

Am 5. Juli 1975 wurde die Rasse vom Raad van Beheer - dank dem Einsatz der Kynologen Herr G. de Josselin de Jong und Frau A. Brooijmans - anerkannt und damit die Schöpfung von Leendert Saarloos posthum doch noch gewürdigt. Es wurde beschlossen, der Rasse den Namen „Saarloos Wolfhond“ zu Ehren des Gründers der Rasse zu verleihen. Aus dem Verein „Nederlandse Vereniging voor Wolfhondbezitters en de Blindengeleideschool voor Wolfhonden“ wurde nun ein Rassehundeverein, die „Nederlandse Vereniging van Saarlooswolfhonden“ (NVSWH).
Zu diesem Zeitpunkt gab es insgesamt ca. 50 verschiedene Blutlinien, aber leider wurden vom Raad van Beheer nur die Nachkommen von der letzten Kreuzung im Jahr 1963 von der sechsten Wölfin Fleur mit Yro van de Kilstroom in das Zuchtbuch eingetragen und anerkannt. Somit schaltete der Raad van Beheer ca. 47 Blutlinien aus! Was noch schlimmer war ist, daß von diesen Nachkommen nur ein kleiner Teil vorstellig wurde bei der Registrierung. Die Inzucht war enorm, es gab viele Halbgeschwister, Neffen/Nichten und sogar Mutter/Sohn Verpaarungen. Keine gute Grundlage für eine Rassehundezucht. Mit den Folgen davon haben wir bis heute leider sehr zu kämpfen.

In der NVSWH wurde die Zucht fortgeführt, aber die Mitglieder durften ab der Mitgliederversammlung 1981 nicht mehr selber züchten, sondern die Zucht wurde alleine durch den neuen Vorstand Frits Pielanen und seiner Frau Diny bestimmt und auch durchgeführt. Der Vorstand bekam die Vollmacht über die Zucht und traf fortan alle Entscheidungen. Selbst fast alle Hunde verblieben im Besitz des Vorstandes, die Mitglieder waren nur „Pfleger und Versorger“ der Hunde, aber nicht Eigentümer. Auch die Welpenvermittlung verlief ausschließlich zentral über den Vorstand innerhalb des Vereins. So wurde die zentralisierte Zucht geboren, die bis heute fortgeführt wird. Die noch junge Marijke Saarloos, die ebenfalls die Augenkrankheit ihrer Mutter geerbt hat und bereits mit ihrer Sehkraft und ersten Operationen zu kämpfen hatte, wurde von Familie Pielanen verdrängt und hatte nichts mehr zu melden.

Die zentralisierte Zucht in der NVSWH begann mit nur ca. sechs Hunden, welche auch noch stark miteinander verwandt waren. Unter anderem deckte „Timber van de Kilstroom“ drei verschiedene Nichten und aus jedem daraus hervorgegangenen Wurf wurde Timber wiederum mit einer seiner Töchter verpaart. Die Nachkommen davon wurden auch wieder miteinander verpaart. Da hauptsächlich nach einem homogenen Rassebild gestrebt wurde, was mit engen Verpaarungen schnell und leicht zu erreichen war, erhielt man sehr schöne Hunde und ein einheitliches Rassebild wie aus dem Bilderbuch. Somit stieg natürlich der Inzuchtkoeffizient stark an und man kann sich vorstellen, daß mit so einer kleinen genetischen Basis auch Defektgene weitergeben werden können.
Bereits im März 1982 gab es eine Gruppe von Mitgliedern, die sich Sorgen machten und ein Brief an den Vorstand verfassten mit der Bitte um eine außerordentliche Mitgliederversammlung, um über die Probleme in der Zucht zu sprechen und zu untersuchen, ob die 1981 eingeführte zentralisierte Zucht zu den gewünschten Ergebnissen führt. Unterzeichnet wurde dieser Brief von 14 Mitgliedern, u.a. auch Marijke Saarloos und ihrer Mutter. Es begann ein Papierkrieg der letztendlich darin endete, daß der Vorstand beschloß, auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Anfang April zehn Mitglieder aus dem Verein auszuschließen. Rechtens war dies nicht und über den Raad van Beheer wurde der Ausschluß rückgängig gemacht. Der Vorstand jedoch hat den Ausschluß in einer erneuten Mitgliederversammlung im Mai wiederholt, die betroffenen Mitglieder scherte es aber nicht mehr, sie schlossen sich zusammen und gründeten die „Leendert Saarloos Stichting“, denn inzwischen hatten sie zusammen mehr Hunde als in der NVSWH verblieben sind. So entstanden zwei Populationen: eine innerhalb der NVSWH und eine außerhalb der NVSWH, die sich in den nächsten drei Jahrzehnten genetisch nicht mehr treffen sollten. Die „Leendert Saarloos Stichting“ ging 1985 über in die „Belgische Saarlooswolfhonden Vereniging“ (B.S.W.V.).

Am 18. November 1981 erfolgte die endgültige Anerkennung der Rasse durch die „Federation Cynologique Internationale“ (FCI), dem internationalen weltweiten Verband aller Hunderassen mit Sitz in Belgien, unter der Registriernummer 311 in der Gruppe 1 „Hütehunde und Treibhunde (ausgenommen Schweizer Sennenhunde)“: Saarlooswolfhond beim FCI

Es folgten viele Jahre der Zucht innerhalb und außerhalb der NVSWH, es gründeten sich weitere Rassevereine in verschiedenen Ländern und die Population der SWHs außerhalb der NVSWH nahm stark zu, jedoch innerhalb der NVSWH immer mehr ab und dadurch bedingt einen immer weiter ansteigenden Inzuchtkoeffizienten.

In der Population außerhalb der NVSWH gab es ein paar „heimliche“ Frischbluteinkreuzungen in einigen Linien, was den Inzuchtkoeffizienten auf dem Papier im Vergleich zu der Realität etwas aufbesserte. Da diese Einkreuzungen aber nicht in gelenkten Bahnen und nicht gezielt erfolgte, machte man den Fehler und nahm viele Rückkreuzungen vor und verwendete immer und immer wieder dieselben Hunde in der Zucht, teilweise deckte ein Rüde 10 oder gar 30 Mal oder öfter, so daß der Effekt des frischen Blutes weitgehend seinen Vorteil wieder verloren hat. Gleichzeitig aber hat sich die Rasse dadurch stark verändert, sowohl im Aussehen als auch Charakter. Das ist der Grund, warum sich die NVSWH Hunde heute so stark unterscheiden vom Rest der Population und sich sozusagen zwei Welten gebildet haben. In beiden Welten gibt es zunehmend Probleme mit der Inzucht und Krankheiten, so daß Handlungsbedarf besteht. Im Jahr 2006 wiederholte sich das, was bereits 1982 passiert, als Mitglieder der NVSWH kritische Fragen stellten und deswegen aus dem Verein ausgeschlossen wurden. Auch in diesem Jahr fand sich wieder eine Gruppe von Mitgliedern der NVSWH zusammen, die die zentralisierte Zucht in Frage stellten und beim Vorstand deswegen den Antrag stellten, eine Untersuchung der Population durch Genetiker und Zuchtspezialisten durchzuführen. Denn es gab zunehmend Probleme mit erfolglosen Deckakten, sei es weil die Hündinnen leer blieben oder der Rüde nicht decken wollten, die Wurfgröße wurde im Schnitt immer kleiner und die Welpensterblichkeit nahm zu. Ein erneuter Papierkrieg begann und in einer Mitgliederversammlung am 8. Juli 2006, welche praktische eine Kopie der Versammlung 1982 war, wurden wieder genauso viele Mitglieder von Frits Pielanen, der immer noch Vorstand war, aus dem Verein ausgeschlossen. Mit diesen Menschen gingen auch eine Anzahl Hunde mit – ein Verlust für die NVSWH, ein Gewinn für die Population außerhalb der NVSWH!

Bereits im November 2006 wurde von einigen dieser NVSWH Ex-Mitglieder ein neuer Verein gegründet, die „Algemene Vereniging voor Liefhebbers van Saarlooswolfhonden“ (AVLS). Die AVLS schaffte es sogar ein paar Jahre später, neben der NVSWH offiziell als Rasseverein vom Raad van Beheer anerkannt zu werden, obwohl der Raad van Beheer bis dato nur einen einzigen Verein pro Rasse anerkannte. Diese Regelung wurde durch Initiative von der AVLS gekippt. Die AVLS hat sehr schnell sehr viele Mitglieder gewonnen und ist inzwischen ein recht großer Verein mit mehr als 200 Mitgliedern. Die AVLS beschäftigt sich sehr viel mit Genetik und hat beschlossen, aufgrund des hohen Inzuchtkoeffizienten und zunehmenden Krankheitsproblemen in der Rasse, im Jahr 2014 ein sogenanntes „Outcrossprojekt“ zu starten. Dies wurde vom Raad van Beheer genehmigt. Beim Outcross werden tröpfchenweise fremde Rassen in den SWH eingekreuzt. Die Nachkommen werden von einer Zuchtkommission begutachtet und die für die Weiterzucht als geeignet angesehenen Hunde werden wieder mit dem SWH rückgekreuzt. So erhofft man sich nach 4 Generationen wieder optisch und charakterlich vom SWH nicht zu unterscheidende Hunde, die aber an genetischer Variabilität und somit Gesundheit gewonnen haben. Das Outcrossprojekt steht noch in den Anfängen, somit ist abzuwarten, ob es von Erfolg gekrönt sein wird. Natürlich gibt es Für- und Widersprecher für oder gegen dieses Projekt. Die Outcrosshunde werden jedoch mindestens 4 Generationen getrennt von der Population gehalten und erst dann nur die geeigneten Hunde in die Rassehundezucht des Saarlooswolfhonds eingeführt.

In der NVSWH geht die Population seit gut 10 Jahren stetig zurück und es werden kaum noch Welpen geboren. Es fallen maximal ein bis zwei Würfe im Jahr, manchmal auch gar kein Wurf. Große Würfe sind zur Ausnahme geworden, meist sind es nur 1 bis 3 Welpen. Auch die NVSWH ist seit Kurzem mit dem Gedanken eines Outcrosses beschäftigt und es soll ein sogenannter „Sidecross“ gemacht werden, d.h. eine Verpaarung zwischen einem NVSWH und einem non-NVSWH Hund. Hoffentlich können durch diese Bemühungen diese wundervollen Hunde erhalten werden, auch wenn es sie vermutlich schon bald nicht mehr in der bisherigen Form geben wird. Auch der Saarlooswolfhond der NVSWH wird sich dadurch zwangsläufig verändern – die Alternative wäre ganz aussterben.

Durch die internationale Zusammenarbeit von Züchtern und Rasseliebhabern dieser Tiere besteht die Hoffnung, die Rasse zu erhalten und weiterzubringen ist. Sogar die NVSWH macht seit Kurzem erste Schritte in Richtung Zusammenarbeit mit der „Außenwelt“, aber unter der Führung eines neuen Vorstandes, da die Familie Pielanen nach über 30 Jahren Vorstandsschaft aus der NVSWH ausgetreten ist. Man kann nur hoffen, daß nun zum Wohle dieser wunderbaren Tiere gearbeitet und gezüchtet wird.

Daher ist es wichtig für diese Rasse, dass alle Saarloos Wolfhund Rüden zur Zucht freigegeben werden. Die Zuchtzulassung bei einem Rüden ist relativ einfach, so daß dieser von eigentlich jedem durchgeführt werden kann. Gerne helfen wir dabei und unterstützen unsere Welpenkäufer mit der Zuchtzulassung.